Alle Stadtteilmütter müssen gesichert bleiben!

Das neue „Landesprogramm der Integrationslotsen“ ist gestartet. Darüber werden 70 Integrationslotsen bzw. Stadtteilmütter dauerhaft und nach Tarif bezahlt. Von den 70 sind 10 in Neukölln im Einsatz. Das ist schön. Darüber hinaus haben wir in Neukölln 83 weitere Stadtteilmütter (also insgesamt 93). Die sind nicht dauerhaft gesichert, sondern laufen über zeitlich begrenzte Beschäftigungsmaßnahmen. Das Programm „Bürgerarbeit“ läuft Ende des Jahres aus. Dann drohen 60 (!) Stadtteilmütter wegzufallen. Das wäre ein krasses Desaster für die Integrationsarbeit in sozialen Brennpunkten in unserem Bezirk. Wie die Situation in den anderen Bezirken aussieht, möchte ich vom Senat in einer Kleinen Anfrage wissen.

In den Quartiesmanagement-Gebieten High-Deck-Siedlung und Weiße Siedlung in der Köllnischen Heide in meinem Wahlkreis haben knapp 70 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner einen Migrationshintergrund. Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit sind hoch, viele beziehen Hartz IV oder müssen ihr kleines Gehalt vom Jobcenter aufstocken lassen. Auch in diesen Quartieren ist die Arbeit der Stadtteilmütter von den Bewohnern und den zuständigen Quartiersmanagern hoch angesehen. Die Sozialarbeiter haben aber große Sorge, dass ein Wegfall des Großteils der Stadtteilmütter erheblichen sozialen Sprengstoff bergen könnte, sollten sie nicht dauerhaft gesichert werden.

Ich teile diese Sorge. Die zuständige Integrations-Senatorin muss da ran. Meiner Meinung nach müssen alle bestehenden Stellen der Stadtteilmütter – in Neukölln und in den anderen Einsatz-Bezirken – gesichert bleiben. Es ist zwar schön, dass jetzt berlinweit 70 (davon 10 in Neukölln) Integrationslotsen gesichert werden. Es ist aber unverantwortlich für den Zustand und die Entwicklung der sozialen Brennpunkte, dass allein in Neukölln 60 Stadtteilmütter wegfallen, wenn die „Bürgerarbeit“ ausläuft und keine dauerhafte Sicherung für sie hergestellt wird. Denn wie anschließend 10 Integrationslotsen und 23 verbleibende Stadtteilmütter (finanziert über andere, auch befristete Beschäftigungsmaßnahmen) die Arbeit von insgesamt 93 Stadtteilmüttern leisten sollen – das überfordert leider meinen Verstand.

Das Konzept der Stadtteilmütter ist ein Exportschlager. Wurde es am Anfang in Neukölln von unserem Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky aus der Taufe gehoben, sind sie inzwischen in fast allen Berliner Bezirken aktiv – und wurden schon mehrfach national und international für ihre erfolgreiche und niedrigschwellige Arbeit ausgezeichnet. Allein in Neukölln wurden über 300 Frauen arabischer und türkischer Herkunft zwischen 2007 und 2012 zu Stadtteilmüttern zu Themen wie Erziehung, Bildung, Gesundheit und Sprache ausgebildet. Über 4.000 überwiegend türkische und arabische Familien mit über 10.000 Kindern haben sich in den letzten Jahren von den Stadtteilmüttern beraten und führen lassen. Viele haben durch sie den Weg in einen Sprachkurs oder die Kinder den Weg in die Kindertagesstätte gefunden.

Presseberichte:
tv.berlin: Finanzierung der Stadtteilmütter auf der Kippe? bei Harry hilft!
Ich werde im zweiten Teil befragt.