Berlin plant Verschärfung des Jugendarrests

Mehr Plätze, schnellerer Strafantritt und längere Arrestdauer – das ist die Devise. Dafür zieht die Jugendarrestanstalt in Lichtenrade zum 1. April in die bisherige Untersuchungshaftanstalt Kieferngrund um, die Anzahl der Plätze verdoppelt sich auf 60 fast. Das ist dringend nötig, denn im letzten Jahr wurden 1224 Jugendliche in Arrest genommen, von denen 224 zunächst wegen Überbelegung abgewiesen werden mussten. Auch deshalb ergab sich die durchschnittliche Zeit von neun Wochen von der Verurteilung bis zum Arrestantritt. Zukünftig sollen die Straftäter nach zwei Wochen ihre Strafe verbüßen.

Nicht selten dauert es zusätzlich Monate, bis der Angeklagte vor Gericht steht. Auch das ist zu lang. Die Strafe muss auf dem Fuße folgen, um pädagogische Wirkung entfalten zu können. Genau das ist der Kern des Neuköllner Modells der verstorbenen Jugendrichterin Heisig, das im Jugendstrafverfahren in Berlin inzwischen vermehrt und flächendeckend Anwendung findet.

Darüber hinaus ist es wünschenswert, dass die Richter längeren Arrest (maximal aber nach wie vor einen Monat) verhängen, der mit einem pädagogischen Konzept verbunden wird. Die Jugendlichen erhalten Kompetenztrainings zu Themen wie Drogen und Gewalt, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Schuldenprävention und Berufsberatung. Bis das fruchtet, braucht es allerdings mehr als einen Freizeitarrest über ein Wochenende. Der Vorteil: im Unterschied zur Haftstrafe gelten Jugendliche mit einer Arreststrafe nicht als vorbestraft, sie taucht also nicht im Führungszeugnis auf.