Berliner Offensive für Fachkräfte und Ausbildung

Berlin muss weiter wachsen, damit Arbeit geschaffen und Wohlstand gesichert wird. Gute Bildung und Ausbildung ist die Grundlage unseres Wohlstands. Eine starke Berliner Wirtschaft braucht Fachkräfte.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), erklärte hierzu, dass gute Ausbildung die Voraussetzung für beruflichen Erfolg ist: Die SPD will durch ein gutes Bildungssystem, eine Ausbildung für jeden jungen Menschen sowie gute Studienplätze die Voraussetzung dafür legen. Deshalb starten wir die Berliner Offensive für Fachkräfte und Ausbildung.

Denn schon heute ist der Fachkräftemangel in Berlin spürbar. Und die Fachkräftestudie Berlin-Brandenburg hat erst kürzlich gezeigt, dass sich diese Situation noch zuspitzen wird: Wenn wir heute nicht handeln, werden in der Region schon im Jahre 2030 mehr als 460.000 Arbeitsplätze in der Region nicht besetzt werden können, da Qualifikationen und Arbeitskräfte fehlen. Das ist eine Gefahr für den Standort, die wirtschaftliche Entwicklung und die Arbeitsplatzchancen der Berlinerinnen und Berliner.

Zudem wissen wir: In der Zukunft werden die Regionen wachsen und zukunftsfähig sein, die ein gutes Potenzial an hervorragend ausgebildeten Fachkräften vorhalten können. Berlin als attraktive Metropole, als Bildungs- und Ausbildungsleuchtturm und als Magnet für die besten Köpfe hat international gute Voraussetzungen, um im künftigen Standortwettbewerb um die besten Fachkräfte mithalten zu können.

Die SPD wird handeln. Wir wollen das erste Halbjahr 2011 nutzen, um entscheidende Schritte voranzukommen und dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Vorausschauende Regierungspolitik fürBerlin steht daher vor mehreren Herausforderungen:

• Die Politik muss heute entscheidende Weichenstellungen in der Bildungs-, Arbeitsmarkt, Struktur- und Wirtschaftspolitik treffen, damit Fachkräfte kein Mangel sind.

• Die Unternehmen müssen vorausschauend ausbilden, um junge Menschen gut zu qualifizieren. Sie müssen ihre Beschäftigten weiterqualifizieren, um vorhandenes Erfahrungswissen und –potenzial zu nutzen.

• Junge Berlinerinnen und Berliner müssen für Ausbildungsgänge mit Zukunft begeistert werden. Die Ausbildung muss so gesteuert werden, dass es keinen Mismatch zwischen ausgebildeten Fachkräften und vorhandenen Arbeitsplätzen gibt.

• Die Schulen, Berufsschulen und Hochschulen genauso wie die vielen Bildungsdienstleister müssen sich noch enger abstimmen und auf den regionalen Bedarf reagieren. Beim praktische Lernen der Sekundarschule gelingt dies schon beispielhaft.

Alle diese Herausforderungen kann die Politik nicht alleine bewältigen. Berlin braucht hier ein Miteinander. Es geht um eine enge Abstimmung der Akteure von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Arbeitsagentur und Bildungsdienstleistern, damit Ausbildungs-, Qualifizierungs- und Bildungsmaßnahmen sinnvoll ineinander greifen. Der SPD-geführte Senat hat dieses Miteinander u. a. durch die Sonderkommission Ausbildung oder den Steuerungskreis Industriepolitik beispielhaft gefördert.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung – und damit Berlin weiter erfolgreich bleibt – werden die Ausbildung der jungen Menschen in den Mittelpunkt unserer Politik rücken. Denn die SPD steht für Arbeit, Bildung und Zusammenhalt in ganz Berlin.

Um diese Ziele zu erreichen, werden wir folgende Maßnahmen ergreifen:

• Die Sonderkommission Ausbildung wird unter Leitung Klaus Wowereits eine „Berliner Vereinbarung zur Nachwuchskräftesicherung für Unternehmen durch Ausbildung“ verabschieden.

• Das Land Berlin wird die Zahl der Studienplätze bis 2012 nochmals um 3.000 erhöhen.

• Der Steuerungskreis Industriepolitik wird einen „Pakt für industrielle Ausbildung“ beraten und verabschieden.

• Der Senat wird einen mit allen wichtigen Akteuren abgestimmten „Masterplan Qualifizierung“ verabschieden.

Klar ist: Ohne Engagement der Wirtschaft und der Unternehmen werden alle Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel ins Leere laufen. Die Berliner Unternehmen sind aufgefordert, ihrer Ausbildungsverantwortung gerecht zu werden und mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Insbesondere bei Unternehmen mit migrantischen Geschäftsführungen besteht großes Ausbildungspotenzial, die noch unterproportional ausbilden.

Berlin will wieder ein starker Industriestandort sein. Gerade die Verbände der Wirtschaft fordern mehr Industriepolitik in Berlin. Gleichzeitig ist nach Auskunft der IG Metall die Zahl der Ausbildungsplätze in den Metall- und Elektrobetrieben in der Region rückläufig. Die Wirtschaftsverbände sind daher endlich dringend gefordert, hier aktiv gegenzusteuern. Berlin braucht Unternehmen, die mehr ausbilden – gerade im Industriesektor! Die SPD erwartet hier konkrete Zusagen.

Unsere Strategie umfasst folgende Eckpunkte:

• Wir steigern das Ausbildungsplatzangebots bei Unternehmen durch gezieltes, zielgruppenorientiertes Werben um betriebliche Ausbildungsplätze und Aufklärung über Ausbildungsprozedere.

• Wir erhöhen die Zahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger signifikant.

• Wir verbessern die beruflichen Bildung und schulische Vorbereitung, u.a. durch das praktische Lernen und die Berufsorientierung im Verbund mit regionalen Partnern.

• Wir bauen die Partnerschaft zwischen Schulen und Betrieben aus: An jeder weiterführenden Schule soll es eine funktionierende Partnerschaft geben.

• Wir stärken die Verbundausbildung.

• Wir sorgen für die Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung durch verlässliche Krippen- und Kitabetreuungszeiten.

• Wir werden besondere Qualifizierungsprogramme für junge Menschen mit Migrationshintergrund auflegen und die kulturellen Vielfalt in den Ausbildungsgängen fördern.

• Wir fördern jungen Frauen insbesondere in den MINT-Fächern.

• Wir machen den Öffentlichen Dienstes und die landeseigenen Betriebe zu Vorbildern bei der Ausbildung.

• Unterstützung der Nachqualifizierung für diejenigen, die bisher ohne beruflichen Abschluss geblieben sind, aber auf Erfahrungen mit Ausbildung und/ oder Arbeit zurückgreifen können.

• Verstärkung der Bildungsberatungsangebote.

In der kommenden Legislaturperiode ist unser Ziel, dass kein junger Mensch ohne Ausbildung bleibt. Wir wollen die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze signifikant erhöhen und die Zahl der Schulabbrecher bis 2015 halbieren. Insbesondere junge Menschen mit Migrationshintergrund brauchen eine Perspektive. Sie sind ein ungehobenes Fachkräftepotenzial. Wir werden sie gezielt zur Ausbildungsreife führen.

Die Zukunft der beruflichen Bildung und Ausbildung wird ein Schwerpunkt der Politik in der kommenden Legislaturperiode. Berlin braucht hervorragende Berufsschulen und hervorragend ausgebildete Berufsschullehrerinnen und -lehrer. Jeder junge Mensch hat das Recht auf eine gute Ausbildung.

Die Berliner Offensive für Ausbildung und Fachkräfte zeigt: Wir handeln jetzt für morgen. Für ein soziales Miteinander. Die Zukunftschancen junger Menschen liegen uns besonders am Herzen. Die SPD ist die verlässliche politische Kraft Berlins, die gute Arbeitsplätze und mehr Ausbildung zum Ziel hat.