Diskussion über Brennpunkt-Schulen bei der SPD Rudow

Gestern Abend war ich zu Gast bei der Rudower SPD, um über das geplante Maßnahmenprogramm zur Unterstützung von Brennpunkt-Schulen zu diskutieren. Die SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus will Schulen in sozialen Brennpunkten stärker unter die Arme greifen: die härtesten Kieze brauchen die besten Schulen, um die Abhängigkeit des Schulerfolgs vom Elternhaus zu durchbrechen und den Kindern und Jugendlichen bessere Perspektiven als eine Hartz IV-Karriere zu bieten. Bildungssenatorin Scheeres (SPD) steht hinter unserer Initiative, Finanzsenator Nußbaum (parteilos, für die SPD) hat signalisiert, eine Stange Geld locker machen zu wollen.

Hierzu liegen der SPD-Fraktion umfangreiche Vorschläge von mir vor, die demnächst beraten und von meinen SPD-Bildungskollegen unterstützt werden – unter anderem mehr Eigenverantwortung in Personal- und Budgetfragen, 100.000 Euro für jede Brennpunkt-Schule in eigenverantwortlichem Einsatz, Stärkung der Schulsozialarbeit, Ausbau des verpflichtenden Ganztagsbetriebs, Einführung einer „Brennpunkt-Zulage“ für Lehrer an Brennpunkt-Schulen, bessere Ausbildung von Schulleitern, die Schaffung von Rahmenbedingungen für Schulleiter und Lehrer, die es ihnen ermöglichen, sich voll und ganz auf die Entwicklung und die Leistungssteigerung ihrer Schüler konzentrieren zu können, und vieles mehr.

Die stärkere Unterstützung von Brennpunkt-Schulen fordert die Neuköllner SPD seit vielen Jahren. Sie ist dringend notwendig: Viele junge Lehrer fühlen sich mit ihren Schülern und den Eltern überfordert und kritisieren ihre Respektlosigkeit. Die Junglehrer machen einen Bogen um Brennpunkt-Schulen, die trotz der Schulstrukturreform auch für Eltern und Kinder unattraktiv geblieben sind. Aber die schwierigsten Schulen brauchen die besten Lehrer. Diese Schulen mit sehr hohem Migrantenanteil und/oder einer hohen Quote von Lernmittel befreiten Schülern arbeiten in einem sozialen Umfeld, das durch Abschottung sozialer und ethnischer Gruppen geprägt ist: vor allem Grundschulen sind das Spiegelbild der Bewohner in ihrer Umgebung. Und wer eine Schule in einem Brennpunkt-Kiez besucht, hat mehr als 100 PISA-Punkte Rückstand auf Kinder und Jugendliche, die bei gleichen sozialen Voraussetzungen in keinem Brennpunkt-Kiez zur Schule gehen.

Sie sehen: es ist endlich an der Zeit, die Schulen in sozialen Brennpunkten nicht weiter mit ihren Problemen im Regen stehen zu lassen und sie stärker zu unterstützten. Ich bin froh, dass die SPD das Thema ernst nimmt und bin guter Dinge, dass ein ordentliches Maßnahmenprogramm rauskommt, das der Realität gerecht wird. Aber der Fortschritt ist eben leider eine Schnecke.