Früheinschulung wird endlich abgeschafft

Nur in Berlin werden Kinder mit fünfeinhalb statt mit sechs Jahren eingeschuldet. Gute Nachricht: Die Früheinschulung wird endlich abgeschafft. Dafür habe ich mich im letzten Jahr eingesetzt. Für das aktuelle Schuljahr 2014/2015 gab es einen neuen Rekord: Berlinweit wurden 5300 Erstklässler (fast 17 Prozent) von ihren Eltern zurückgestellt, also nicht mit fünfeinhalb Jahren eingeschult. In Neukölln 17,5 Prozent (461 Kinder), in Tempelhof-Schöneberg sogar 19,5 Prozent (510 Kinder).

Die Einschulungsuntersuchungen zeigen jedes Jahr, dass es fünfeinhalbjährige Kinder gibt, die noch nicht schulreif sind – zum Beispiel, weil sie große Mängel in Sprache, Motorik oder Sozialverhalten haben. Ein zu früher Schulbesuch kann zu Problemen nach der Einschulung führen: So ist auch die Zahl der Kinder gestiegen, die die 2. Klasse wiederholen. Und die Sprachtests für viereinhalbjährige Kita-Kinder belegen, dass seit Jahren jedes 6. Kind (in Neukölln jedes 4.) Sprachmängel hat. Bei den Nicht-Kita-Kindern hat jedes 2. Kind Sprachmängel – in Neukölln sogar drei von vier Kindern. Wer nicht richtig Deutsch sprechen kann, lernt schwerer Lesen und Schreiben in der Schule. Der beste Ort für die Sprachförderung ist die Kita – und je länger ein Kind die Kita besucht, desto besser ist das für seine Entwicklung (was die Einschulungsuntersuchungen ebenfalls zeigen).

Deshalb haben wir den Sprachtest ein halbes Jahr vorgezogen und die Sprachförderung in den Kitas auf eineinhalb Jahre und fünf Stunden täglich ausgeweitet. Für Eltern von Nicht-Kita-Kindern, die ihre Kinder nicht zum verpflichtenden Sprachtest oder zur verpflichtenden Sprachförderung in einer Kita schicken, haben wir ein Bußgeld eingeführt. Eine gute und längere Vorbereitung auf den Schulbesuch in einer Kita ist also besser als die frühe Einschulung. Deshalb wird das Verfahren zum Schuljahr 2016/2017 so vereinfacht, dass die Rückstellung eines schulpflichtigen Kindes bei der Schulanmeldung mit einem einfachen Kreuz erfolgt, ohne dass die Eltern dafür ein Gutachten vorlegen müssen. Damit stärken wir den Elternwillen. Wir werden außerdem zum Schuljahr 2017/2018 den Stichtag zur Einschulung auf den 30. September verschieben. Das führt dazu, dass alle Kinder erst mit sechs Jahren eingeschult werden.