Immer mehr Gewalt an Berliner Schulen

Die Anzahl der Gewaltvorfälle in unseren Schulen ist im letzten Schuljahr weiter gestiegen. Dass es an unseren Schulen und vor allem in den Grundschulen seit Jahren immer mehr Gewalt und auch mehr schwere körperliche Gewalt gibt, ist ein Alarmsignal. Das Wegsehen muss ein Ende haben, die Zeit ist reif für eine wirksame Strategie gegen Gewalt an Schulen.

Vor allem Mobbing, Beleidigungen, Abzocke und Geburtstagsschläge kommen im Schulalltag viel zu häufig vor. Gab es im Schuljahr 2013/14 „nur“ 1492 dieser Vorfälle, waren es im letzten Schuljahr 1758. Die Dunkelziffer ist hoch, weil die Schulen bisher nicht dazu verpflichtet sind, diese und weitere Vorfälle des „Gefährdungsgrades I“ zu melden. Ein Fehler, wie ich finde. Wir brauchen den Mut für ein realistisches Bild, wie es tatsächlich um unsere Schulen steht.

Die schwere körperliche Gewalt nimmt seit Jahren zu: Im Schuljahr 2011/12 gab es 433 Vorfälle, 443 im Schuljahr 2012/13, 511 im Schuljahr 2013/14 – und 587 im letzten Schuljahr. Ebenso Bedrohungen: Ein Anstieg um 276 Fälle von 102 im Schuljahr 2010/11 auf 378 im Schuljahr 2014/15. Auch die Gewalt gegen Schulperson nimmt immer mehr zu: Seit dem Schuljahr 2009/10 haben sich die Vorfälle mit 560 im letzten Schuljahr fast verdoppelt. Schüler dürfen mit Gewalt gegen Mitschüler oder Lehrer nicht durchkommen, da darf es keine Toleranz geben. Wir brauchen klare Grenzen und Regeln, die konsequent durchgesetzt werden. Unsere Schüler müssen ohne Angst in die Schule gehen können.

Die SPD-Fraktion hat auf meine Initiative hin ein „Berliner Programm gegen Gewalt an Schulen“ erarbeitet, über das wir nach den Herbstferien abschließend beraten werden. Unser Programm sieht unter anderem vor:

  • Prävention, Aufklärung und Anti-Gewalt- sowie Anti-Mobbing-Trainings in den Schulen intensiviert, Präventionsgespräche der Polizeiabschnitte in den Schulen sollen verstetigt und Lehrkräfte stärker im Umgang mit Aggression und Gewalt im Schulbereich fortgebildet werden.
  • Das Soziale Lernen in Schulen soll erweitert und zugleich für eine angemessene Ausstattung mit Jugendsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter und die Schulpsychologinnen und -psychologen gesorgt werden.
  • Jede Schule soll eine Hausordnung mit Schulregeln erarbeiten, die allen Schülerinnen und Schüler und Eltern zu Beginn eines Schuljahres zur Kenntnis gegeben und von beiden unterschrieben wird.
  • In allen Schulen sollen Schülerinnen und Schüler altersgerecht zu Pausenbuddys und Konfliktlotsen geschult werden. Jede Schule soll ein Gewaltpräventions- und Konfliktmanagementkonzept erarbeiten.
  • Die Schulen sollen verpflichtet werden, auch Vorfälle des Gefährdungsgrades I zu melden. Außerdem sollen zukünftig alle Meldungen zentral vom Senat erfasst und der jährliche Bericht zur Gewaltprävention und Krisenintervention in Schulen wieder veröffentlicht werden.

Presse:
Berliner Morgenpost 26.10.2015
BZ – 26.10.2015
B.Z. – 28.10.2015