Immer mehr Quereinsteiger an Schulen: Senat muss stärker steuern

Der Lehrermarkt ist in ganz Deutschland leer gefegt. Deshalb stellt auch Berlin immer mehr Lehrerinnen und Lehrer ein, die nicht voll ausgebildet sind. Zum aktuell laufenden Schuljahr so viele wie nie zuvor. Aber die Konzentration von Quer- und Seiteneinsteigern an einzelnen Schulen und vor allem in sozialen Brennpunkten geht nicht. Die Schulsenatorin muss noch stärker den Einsatz des Lehrpersonals an Schulen steuern. Hier geht es um Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle Schüler und alle Kieze.

Denn inzwischen sind über die Hälfte der Neueinstellungen an Berliner Schulen Quer- und Seiteneinsteiger:

  • Es fingen knapp 1100 reguläre Lehrer an, 710 Quereinsteiger, 940 Seiteneinsteiger.
  • 100 Schulen haben keine Quer- oder Seiteneinsteiger im Kollegium.
  • Quer- und Seiteneinsteiger sind vor allem in Grundschulen im Einsatz: Hier sind rund 85 Prozent der Neueingestellten keine ausgebildeten Grundschullehrer.
  • Die Förderschulen haben den niedrigsten Quereinsteiger-Anteil (3,8 Prozent) gefolgt von den Gymnasien (5,4 Prozent).
  • Aber in 7 Schulen liegt der Quereinsteiger-Anteil über 30 Prozent (2018/19: in keiner Schule).
  • In 45 Schulen ist mehr als jede fünfte Lehrkraft nicht voll ausgebildet (2018/19: 27 Schulen).
  • In 200 Schulen wurde die Marke von zehn Prozent Quereinsteigern überschritten (2018/19: 170 Schulen).

Besonders heikel ist die Situation in Neukölln: Hier haben 25 Schulen (davon 20 Grundschulen) einen Quereinsteiger-Anteil von über 10 Prozent und 11 Schulen (davon 10 Grundschulen) sogar über 20 Prozent. Spitzenreiter ist die Christoph-Ruden-Grundschule mit einem Quereinsteigenden-Anteil von 31 Prozent, gefolgt von der Silberstein-Schule und der Sonnen-Schule mit je 28 Prozent. Der Senat hat nun angekündigt ein Konzept zu erarbeiten, wie zukünftig die Lehrkräfte besser und gerechter auf die einzelnen Schulen verteilt werden sollen. Über den Status Quo hinausgehend, dass jede Schule eine „Ausbildungsschule“ sein soll und demnach mindestens einen Quereinsteiger haben soll.

Quereinsteiger sind Lehrkräfte, die mindestens eins ihrer Unterrichtsfächer studiert haben und „nur“ noch ihr zweites Schulfach während ihrer „Lehrerausbildung“ nachstudieren müssen. Seiteneinsteiger haben keins der Fächer, die sie unterrichten, studiert bzw. gar nicht studiert. Wir unterstützen die Quereinsteiger, um ihnen den Einstieg in ihren neuen Lehrerberuf zu erleichtern, z.B. durch weniger Unterrichtsstunden.

Tagesspiegel vom 13.01.2020 – Lehrermangel in Berlin Senat scha es nicht, Quereinsteiger besser zu verteilen

Morgenpost vom 13.01.2020 – Immer mehr Quereinsteiger an Brennpunktschulen

Berliner Zeitung vom 14.01.2020 – Ungleich verteilt: An diesen Grundschulen ist einer von drei Lehrern Quereinsteiger