Jeder neunte Schüler in Berlin ohne Schulabschluss

Jeder neunte Berliner Schüler verlässt die Schule ohne einen Abschluss, in Mitte sogar jeder fünfte und in Neukölln jeder sechste Schüler. Das sind noch mehr als die Jahre zuvor. Die Entwicklung entsetzt mich. Wir müssen diesen Trend stoppen und umkehren. Es gibt immer noch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bezirken: Schülerinnen und Schüler in sozialen Brennpunkten und mit Migrationshintergrund machen häufiger die Berufsbildungsreife und brechen häufiger die Schule ohne Abschluss ab, schaffen dafür seltener das Abitur.

Wir brauchen eine Qualitätsoffensive in unseren Schulen, indem wir die Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer senken – durch kleinere Klassen oder eine Reduzierung der Unterrichtsstunden der einzelnen Lehrkräfte. Wir müssen die Ganztagsschulen stärken: Die Hort-Bedarfsprüfung gehört abgeschafft, alle Kinder sollen ohne Hürden gefördert werden. Und wir müssen die verpflichtenden Ganztagsschulen ausbauen, sie sind der beste Motor für Integration und zur Förderung der Kinder und Jugendlichen.

Wir sind außerdem klug beraten, die Grundschullehrer endlich besser zu bezahlen und mehr Lehrkräfte für Grundschulen auszubilden. Ich halte an meiner Forderung nach einer Brennpunkt-Zulage für Lehrkräfte in Brennpunkt-Schulen fest, um einen stärkeren Anreiz zu schaffen, hier zu arbeiten. Unser Brennpunktschulen-Programm bleibt wichtig, genauso wie die Schulsozialarbeit. Es war richtig, mehr Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter einzustellen, hier bleibt Luft nach oben. Weil nur der kontinuierliche Schulbesuch die Voraussetzungen für einen Schulabschluss schafft, setzen wir die Schulpflicht in Berlin jetzt schneller und konsequenter durch.

Der Teufelskreis beginnt allerdings schon früher: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Es ist wichtig, den Kita-Besuch verbindlicher zu machen. Je länger ein Kind die Kita besucht, desto besser ist das für seine Entwicklung. Weil aber seit Jahren jedes sechste Kita-Kind Sprachmängel hat, müssen wir an die Qualität der Sprachförderung ran. Wer mit Sprachmängeln eingeschult wird, lernt nur schwer Lesen und Schreiben, verpasst möglicherweise den Anschluss, schwänzt den Unterricht und droht als Schulabbrecher zu enden. Wir brauchen mehr wohnortnahe Kita-Plätze in sozialen Brennpunkten, eine noch bessere Qualität in unseren Kitas und eine dauerhafte Brennpunkt-Zulage für Erzieherinnen und Erzieher als Anreiz, in einer Brennpunkt-Kita zu arbeiten.

Presse:
rbb 08.02.2016
Berliner Morgenpost 07.02.2016
Berliner Kurier 09.02.2016