Jugendkriminalität sinkt weiter – Prävention verbessern

Die Jugendkriminalität sinkt seit Jahren in Berlin. Das mag auch daran liegen, dass es immer weniger Jugendliche gibt. Trotzdem muss im Kampf gegen die Jugendkriminalität die Prävention verbessert und früher gehandelt werden. Wir dürfen nicht zusehen, bis ein Jugendlicher zehn Straftaten auf seinem Konto hat und als Intensivtäter gilt. Dann ist das Kind längst in den Brunnen gefallen. Je besser die Prävention, desto weniger Kriminalität.

Deshalb ist es unter anderem sinnvoll

  • die Täterorientierte Intervention in ganz Berlin einzuführen: Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, die drohen in eine kriminelle Karriere abzurutschen, müssen frühzeitig erkannt und mit ihren Eltern beraten werden. Kriminelle Karrieren starten oft im Dunkeln. Es ist zu spät erst dann einzugreifen, wenn ein Jugendlicher ein Intensivtäter ist. Hierzu läuft ein Pilotprojekt, das in der Polizeidirektion 5 begann und auf die Direktionen 3 und 4 ausgeweitet wurden.
  • das beschleunigte Jugendstrafverfahren nach dem „Neuköllner Modell“ zu verbessern – die Evaluation des Modells zeigt gute Verbesserungswege auf. Die Zahl der beschleunigten Jugendstrafverfahren nach dem von Kirsten Heisig geprägten „Neuköllner Modell“ sinkt seit Jahren. Von der Zielmarke ein Monat zwischen Tat und Bestrafung sind Polizei und Justiz weit entfernt. Die Strafe muss auf dem Fuße folgen, um pädagogisch wirken zu können, wir dürfen keine falsche Geduld mit jugendlichen Straftätern haben.
  • Jugendkommissariate bei der Polizei einzurichten, das Wohnortprinzip zur Bearbeitung von Jugendstrafsachen bei Polizei und Staatsanwaltschaft einzuführen: In den Polizeiabschnitten müssen Beamtinnen und Beamte tätig sein (hierzu läuft in 12 von 137 Polizeiabschnitten ein Probelauf), die ausschließlich auf die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen spezialisiert sind und zur Prävention eng mit Jugendämtern, Schulen und der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. Für das Wohnortprinzip gibt es in der Polizeidirektion ein Pilotprojekt in den einzelnen Abschnitten. Seit April gibt es in Neukölln den Piloten „Staatsanwaltschaft für den Ort“.
  • den Jugendarrest-Antritt zu beschleunigen: Seit Jahren vergehen nach Jugendstrafverfahren drei Monate zwischen Urteil und Jugendarrest-Antritt. Und das, obwohl der Justizsenator großspurig ankündigte, dass der Arrest-Antritt nach zwei Wochen erfolgen soll. Zwischen Heilmanns Wunsch und Wirklich liegen Welten. Dabei kann der Arrest eine Chance sein, jugendliche Straftäter im frühen Stadium vor einer kriminellen Karriere abzufangen.

Gab es im Jahr 2010 noch 28.819 Tatverdächtige, waren es 24.628 in 2012 und 23.781 in 2013. Im letzten Jahr gab es 24.827 Kinder, Jugendliche und Heranwachsende, die einer Straftat verdächtigt wurden – was mit einem Anstieg jugendlicher Schwarzfahrer zusammenhängt aufgrund gestiegener Kontrollen bei BVG und S-Bahn. Rechnet man dieses Delikt heraus, gab es 22.584 Tatverdächtige in 2013 und 20.331 im Jahr 2014. Außerdem gab es wieder weniger Gewaltvorfälle, die von Jugendgruppen verübt wurden: 2010 waren es 4014 Straftaten, 2014 „nur“ noch 2822. Auch die Anzahl der jugendlichen Intensivtäter sinkt seit Jahren (2010: 414, 2014: 323), wenngleich die Zahl ihrer Straftaten zugenommen hat. Das spricht ebenfalls für eine Stärkung der Prävention.

Presse:
Berliner Morgenpost 21.06.2015