Kampf gegen Jugendkriminalität: Prävention stärken

In Neukölln startet das Pilotprojekt „Staatsanwaltschaft für den Ort“. Zukünftig werden drei Staatsanwälte zur Verfolgung jugendlicher Straftäter ausschließlich für Neukölln zuständig sein. Das ist ein längst überfälliger Schritt im Kampf gegen die Jugendkriminalität. Eine entschlossene Reaktion auf die gestiegenen Straftaten jugendlicher Intensivtäter ist richtig. Damit ist es aber nicht getan, die CDU-Senatoren für Inneres und Justiz müssen endlich weitere Schritte auch zur frühzeitigen Kriminalitätsprävention angehen:

Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, die drohen in eine kriminelle Karriere abzurutschen, müssen frühzeitig erkannt und mit ihren Eltern beraten werden. Kriminelle Karrieren starten oft im Dunkeln und wenn ein Jugendlicher zehn Straftaten auf seinem Konto hat, ist das Kind längst in den Brunnen gefallen. Es ist zu spät erst dann einzugreifen, wenn ein Jugendlicher ein Intensivtäter ist. Die Täterorientierte Intervention muss in allen Polizeidirektionen eingeführt werden.

In den Polizeiabschnitten müssen Beamtinnen und Beamte tätig sein, die ausschließlich auf die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen spezialisiert sind und zur Prävention eng mit Jugendämtern, Schulen und der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. In den Polizeiabschnitten müssen spezialisierte Jugendkommissariate eingerichtet werden.

Die Zahl der beschleunigten Jugendstrafverfahren nach dem von Kirsten Heisig geprägten „Neuköllner Modell“ sinkt seit Jahren. Von der Zielmarke ein Monat zwischen Tat und Bestrafung sind Polizei und Justiz weit entfernt. Die Strafe muss auf dem Fuße folgen, um pädagogisch wirken zu können, wir dürfen keine falsche Geduld mit jugendlichen Straftätern haben. Das „Neuköllner Modell“ muss häufiger zum Einsatz kommen, klare Kriterien für seine Anwendung erarbeitet und die beschleunigten Jugendstrafverfahren schneller durchgezogen werden.

Seit Jahren vergehen nach Jugendstrafverfahren drei Monate zwischen Urteil und Jugendarrest-Antritt. Und das, obwohl der Justizsenator großspurig ankündigte, dass der Arrest-Antritt nach zwei Wochen erfolgen soll. Zwischen Heilmanns Wunsch und Wirklich liegen Welten. Dabei kann der Arrest eine Chance sein, jugendliche Straftäter im frühen Stadium vor einer kriminellen Karriere abzufangen. Die beschleunigten Jugendstrafverfahren müssen zwischen Justiz und Polizei konsequent umgesetzt werden für einen schnelleren Jugendarrest-Antritt.