Keine höheren Preise für schlechtere Leistungen

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) muss seine geplanten Fahrpreiserhöhungen zurücknehmen. Es kann nicht angehen, dass sich die Kundinnen und Kunden der Berliner S-Bahn den zweiten Winter in Folge auf den Bahnsteigen frierend die Beine in den Bauch stehen und es die Geschäftsführung der Berliner S-Bahn nicht schafft, das Chaos in den Griff zu bekommen.

Mir fehlt jedes Verständnis für die Pläne des VBB. Die durchschnittlich 2,8 prozentigen Preiserhöhungen für eine schlechtere Leistung sind eine Zumutung für die Berlinerinnen und Berliner. Die Berliner S-Bahn muss erst einmal beweisen, dass sie wieder zu einem zuverlässigen Partner im Berliner Nahverkehr werden kann, bevor ihre Preise auch nur um einen Cent steigen können. Allein der Einzelfahrschein Berlin AB soll sich um fast zehn Prozent von 2,10 Euro auf 2,30 Euro verteuern. Für die ebenso beliebten Kurzfahrstreckenfahrscheine sind 8 Prozent Steigerung geplant.

Die Berliner S-Bahn muss das Vertrauen ihrer Kundinnen und Kunden zurück gewinnen. Das passiert sicher nicht über eine ungerechtfertigte Preiserhöhung bei ständig sinkenden Leistungen. Die Pünktlichkeit der S-Bahn geht seit Jahren kontinuierlich zurück – am ersten Schneetag in Berlin Anfang Dezember sank sie auf desaströse 32 Prozent. Der Verkehrsvertrag zwischen Berlin und der S-Bahn sieht vor, dass mindestens 96 Prozent der Züge pünktlich sein sollen. Entgegen aller Ankündigungen schafft es die S-Bahn auch nicht, genügend Wagen auf die Strecke zu bringen. Vielmehr ist sie auch in diesem Winter gezwungen, Taktzeiten zu verlängern und Züge zu kürzen. Dazu kommen mittlerweile auch Mängel bei der BVG, die zurzeit nur 90 Prozent ihrer Busflotte auf die Straße bringt, was zu teils massiven Verspätungen führt. Die öffentlichen Verkehrsmittel haben pünktlich zu sein, ihre Taktzeiten einzuhalten, Sicherheit zu gewährleisten und guten und schnellen Service zu bieten.

Die Deutsche Bahn hat als hundertprozentige Muttergesellschaft der Berliner S-Bahn ihr Tochterunternehmen über Jahre hinweg einem Sparzwang unterworfen. Das ist die Ursache für die Misere der S-Bahn. Sie muss sich der Verantwortung ihrer Tochtergesellschaft gegenüber stellen und mehr Geld zur Verfügung stellen. Dafür haben nicht die Berlinerinnen und Berliner durch eine Preiserhöhung gerade zu stehen.