Kleine Anfrage: Bildungspolitische Unterstützung von Roma-Kindern

Wir in Neukölln kennen die schwierige Situation der Roma-Familien nur allzu gut – 5000 der knapp 25.000 in Berlin gemeldeten Rumänen und Bulgaren leben in unserem Bezirk, viele von ihnen sind Roma. Sie sind europäische Armutsflüchtlinge. Sie kommen, um zu bleiben, und es werden noch mehr ihr Glück bei uns suchen. Wir müssen deshalb dringend und ernsthaft die Weichen für ihre Integration stellen, damit sich die integrationspolitischen Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Deswegen habe ich eine Kleine Anfrage zum Thema an den Senat gestellt, deren Antwort nun vorliegt.

Die Zahl der Bulgaren und Rumänen in Berlin ist in den letzten Jahren stark gestiegen: von 15.000 im Jahr 2010 auf jetzt 25.000. Problematisch daran ist, dass viele Roma-Kinder kein Deutsch sprechen und nicht wenige Analphabeten sind oder noch nie eine Schule von innen gesehen haben. Deshalb muss das wichtigste Ziel sein, ihnen mit ausreichend Sprach- und Kulturmittlern schnellstmöglich die deutsche Sprache beizubringen und sie für den Schulbesuch fit zu machen, damit sie einen Abschluss bekommen, eine Ausbildung absolvieren und Arbeit finden, um ein Leben ohne Hartz IV führen zu können.

Hier gibt es meiner Meinung nach starken Nachholbedarf. Der Senat teilt in seiner Antwort mit, dass von den knapp 25.000 offiziell gemeldeten Rumänen und Bulgaren nur 484 Kinder in eine Kita gehen. Immerhin schon 1700 Kinder besuchen eine Schule in Berlin – die meisten davon in Mitte und Neukölln. Da sie meist über unzureichende Deutschkenntnisse verfügen, gibt es sogenannte Lerngruppen oder Willkommensklassen in den Schulen. Das Ziel dieser Klassenart ist, alle neu ankommenden Kinder ohne Deutschkenntnisse zeitnah zu beschulen und ihnen einen schnellen Erwerb der deutschen Sprache zu ermöglichen – das heißt, sie möglichst schnell in den schulischen Regelbetrieb aufzunehmen. Mittlerweile gibt es von diesen Lerngruppen 183 mit insgesamt 2.331 Schülern und ihre Zahl steigt immer weiter (2011 gab es nur 61 dieser Lerngruppen). Außerdem finde ich es problematisch, dass für die 1700 rumänischen und bulgarischen Schüler nur 21 Sprach- und Kulturmittler im Einsatz sind.

Integration kostet Geld. Aber die Vorsorge durch Bildung ist günstiger als die Nachsorge durch Sozialleistungen. Bildung ist und bleibt der Schlüssel für den sozialen Aufstieg. Wir stellen heute die Weichen dafür, ob die Integration der Roma gelingt oder nicht. Ich werde mich in den Haushaltsberatungen dafür einsetzen, dass es mehr Sprach- und Kulturmittler und mehr Willkommensklassen gibt.

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