Kleine Anfrage: Gewalt in Berliner Schulen – Anstieg um 25%

Die Zahl der gemeldeten körperlichen und verbalen Übergriffe an den Berliner Schulen nahm im letzten Jahr deutlich zu. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl um ganze 25%, von 1468 in 2011 auf 1836 im Jahr 2012 – ein immenser Anstieg. Das geht aus dem Gewaltbericht 2011/2012 der Senatsverwaltung für Bildung hervor. In der Antwort des Senats auf meine Kleine Anfrage zum Thema ist besonders der starke Anstieg von Erpressung, Raub („Abziehen“) und Suiziddrohungen um fast 50% erschreckend.

Einerseits erfreulich: zumindest für Neukölln sank die Anzahl der gemeldeten Gewaltfälle. Die meisten Fälle gab es in den Bezirken Mitte und Steglitz-Zehlendorf. Andererseits schlimm: Auch die Anzahl der Übergriffe auf Schulpersonal hat sich stark erhöht. Von 292 Fällen im Schuljahr 2010/11 stieg die Zahl auf 464 Fälle im Schuljahr 2011/12. Interessant weiterhin: 85% der Täter waren männlich und knapp die Hälfte aller gemeldeten Fälle gehörten zur Gefahrenstufe I (z.B. Mobbing, Beleidigungen und Tätlichkeiten). Besondere Probleme scheint es an den Grundschulen zu geben. Sie liegen mit 799 gemeldeten Gewaltfällen an der Spitze.

Gerade die Taten der Stufe I prägen den Schulalltag. 2012 meldeten aber nur 40 % der Schulen Vorfälle der Stufe I, weil es seit 2009 eine „eingeschränkte Meldepflicht“ für sie gibt. Vermutlich liegt die „Dunkelziffer“ von Gewaltvorfällen der Stufe I noch höher als bekannt. Wenn wir wissen wollen, wie es wirklich um unsere Schulen steht, muss es wieder Pflicht werden, die Vorfälle der Stufe I zu melden. Außerdem halte ich es für sinnvoll, dass alle Schulen jeden Gewaltvorfall, von Stufe eins bis drei, melden müssen. Denn nur mit Hilfe schulbezogener Statistiken kann ein realistisches Bild von der Situation an den Schulen gezeichnet und entsprechend gehandelt werden.

Ich werde mich dafür einsetzen und am Thema dranbleiben. Der Anstieg der Fälle zeigt vor allem, dass die gegenseitige Respektlosigkeit zwischen Schülern, aber auch gegenüber den Lehrern zugenommen hat. Wir geben den Schulen, deren Schüler zum Großteil aus sozial schwachen Familien kommen, im Rahmen unseres Brennpunktschulen-Programms die Möglichkeit, die bis zu 100.000 € zusätzlich und jährlich auch für eine Stärkung des Anti-Gewalt-Trainings zu nutzen.

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