Konsequent gegen Gewalt an Berliner Schulen vorgehen

Jedes Jahr gibt es mehr Gewalt an Berliner Schulen: Vor allem an unseren Grundschulen und vor allem schwere körperliche Gewalt. Auch Mobbing, Beleidigung, Abzocke und Geburtstagsschläge kommen im Schulalltag zu häufig vor. Deshalb hat das Abgeordnetenhaus auch auf meine Initiative im Juni das „Berliner Programm gegen Gewalt an Schulen“ beschlossen. Wir gehen konsequent gegen Gewalt an Schulen vor, weil wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler ohne Angst in die Schule gehen können.

Im Schuljahr 2011/12 gab es 433 Vorfälle schwerer körperlicher Gewalt, im letzten Schuljahr waren es 743. Ebenso Bedrohungen: Ein Anstieg um 336 Fälle in den letzten fünf Schuljahren. Auch die Gewalt gegen Schulpersonen nimmt immer mehr zu: Seit dem Schuljahr 2009/10 haben sich die Vorfälle mit 636 im letzten Schuljahr mehr als verdoppelt. Auch Mobbing, Beleidigung, Abzocke und Geburtstagsschläge kommen im Schulalltag viel zu häufig vor. Gab es im Schuljahr 2014/15 „nur“ 1758 dieser Vorfälle, waren es im letzten Schuljahr 2371. Die Dunkelziffer ist höher, weil die Schulen nicht dazu verpflichtet sind, solche Vorfälle zu melden.

Wir brauchen ein realistisches Bild, um helfen zu können. Und Schüler dürfen mit Gewalt gegen Mitschüler oder Lehrer nicht durchkommen. Wir brauchen klare Grenzen und Regeln, die konsequent durchgesetzt werden. Unser Programm sieht deshalb vor:

  • Prävention, Aufklärung und Anti-Gewalt- sowie Anti-Mobbing-Trainings in den Schulen werden intensiviert, Präventionsgespräche der Polizeiabschnitte in den Schulen verstetigt und Lehrerinnen und Lehrer stärker in der Bekämpfung von Aggression und Gewalt im Schulbereich fortgebildet. Es soll geprüft werden, wie an den Schulen pädagogische Fachkräfte zu Konflikt-Mediatorinnen und -Mediatoren ausgebildet werden können.
  • Das Soziale Lernen in Schulen soll erweitert und zugleich für eine angemessene Ausstattung mit Jugendsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter und die Schulpsychologinnen und -psychologen gesorgt werden.
  • Jede Schule erarbeitet unter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler und Eltern eine Hausordnung mit Schulregeln, die allen Schülerinnen und Schülern und Erziehungsberechtigten zu Beginn eines Schuljahres zur Kenntnis gegeben und von beiden unterschrieben wird. Die Schulen werden aufgefordert, ihre jeweilige Hausordnung und Schulregeln konsequent durchzusetzen.
  • In allen Schulen werden Schülerinnen und Schüler altersgerecht zu Pausenbuddys und Konfliktlotsinnen und -lotsen geschult.
  • Jede Schule erarbeitet ein Gewaltpräventions- und Konfliktmanagementkonzept mit dem Ziel, präventive Strukturen aufzubauen und schulische Akteure zur aktiven Konfliktbewältigung zu befähigen. Es könnte ein Mitglied der erweiterten Schulleitung zur oder zum Gewaltpräventionsbeauftragten ernannt werden.
  • Jede Schule richtet eine „Koordinierungsrunde Konfliktbearbeitung“ ein mit Vertreterinnen und Vertretern der unterschiedlichen Gruppen (Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Schülerinnen und Schüler, Elternvertreterinnen und -vertreter, Polizei und weiteren externen Kooperationspartnerinnen und -partner), um die laufenden gewaltpräventiven Maßnahmen zu bewerten, weitere Bedarfe festzustellen, zukünftige Maßnahmen zu planen und enger zusammenzuarbeiten.
  • Jede Schule ernennt eine Beauftragte oder einen Beauftragten für Elternarbeit. Die Elternarbeit, elternorientierte Gewaltprävention und Stärkung der Erziehungskompetenz sind durch schulspezifische Maßnahmen (bspw. Einrichtung eines Elterncafés, themenbezogene Elternabende u.a. zur Bekämpfung von Gewalt in Schulen und Einhaltung schulischer Regeln in Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnerinnen und -partnern wie den Stadtteilmüttern, der Präventionsabteilung der Polizei, dem Quartiersmanagement, dem Gesundheitsamt, u.v.m.) zu intensivieren. Dabei soll das Programm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ einbezogen werden. Das Thema Gewalt im Elternhaus ist im Rahmen der intensiven Elternarbeit zu berücksichtigen.
  • Bei Verhaltensauffälligkeiten eines Kindes wird das Gespräch mit den Erziehungsberechtigten gesucht. Bei Gewaltvorfällen werden die Erziehungsberechtigten unverzüglich einbezogen und Gespräche geführt, die im Rahmen der Schulmediation mit Tätern und Opfern stattfinden. Um die Information der Eltern sicherzustellen wird der Täter-Opfer-Ausgleich auch von den Eltern unterschrieben.
  • Die Schulen werden verpflichtet, Vorfälle des Gefährdungsgrades I innerhalb von fünf Werktagen und Vorfälle der Gefährdungsgrade II und III innerhalb von 24 Stunden beim bezirklichen Schulamt, der Schulaufsicht, beim zuständigen Jugendamt, den G/K-Schulpsychologinnen und -psychologen und dem Bereich Gewaltprävention und Krisenintervention der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft zu melden. Die Einbeziehung von Polizei und/oder Feuerwehr bei Vorfällen der Gefährdungsgrade II und III gemäß des Informationsschreibens „Gewalt und Notfälle“ vom 1. Februar 2011 bleiben unberührt.
  • Zukünftig werden Meldungen von Schulen über Gewaltvorfälle der Gefährdungsgrade I, II, III sowie Übergriffe auf Schulpersonal schulhalbjährig und zentral vom Senat nach Schulform, Bezirk sowie nach Geschlecht der Täterin bzw. des Täters und der Opfer erfasst. Der jährliche Bericht zur Gewaltprävention und Krisenintervention in Schulen wird wieder vom Senat veröffentlicht und vorgestellt.