Krankenhaus Neukölln: Notaufnahme platzt aus allen Nähten

Die Rettungsstelle des Neuköllner Krankenhauses platzt aus allen Nähten. Das habe auch ich schon am eigenen Leib erfahren. Das gesamte Klinikum der Maximalversorgung stößt inzwischen an seine Kapazitätsgrenze. Die Situation ist eine Zumutung für die Patientinnen und Patienten und führt für die Ärzte und das Pflegepersonal zu schwierigen Arbeitsbedingungen. Die Erweiterung des Krankenhauses und die Vergrößerung der Notaufnahme sind dringend notwendig. Hierfür rechnet der Gesundheitssenator mit Kosten von rund 150 Millionen Euro.

Das Klinikum ist mit 133.000 ambulanten und stationären Patientinnen und Patienten im Jahr zu 97 Prozent ausgelastet – vor allem die Notaufnahme. Sie war ursprünglich für 25.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr ausgelegt. Die Zahlen haben sich im Jahr 2014 allerdings auf 77.000 verdreifacht. Die Tendenz ist weiter steigend. Das liegt zum einen daran, dass das Klinikum Neukölln die erste Anlaufstelle für fast 600.000 Berlinerinnen und Berliner im Süd-Osten ist und zum anderen daran, dass das Klinikum im Jahr rund 22.000 Anfahrten von Rettungswagen verzeichnet. Damit wird die Neuköllner Rettungsstelle berlinweit am häufigsten aufgesucht.

Die Versorgung dieser hohen Patientenzahlen im Notfallzentrum auf nur 800 Quadratmetern in 11 Untersuchungs- und Behandlungsräumen, einem Infektionsraum, einem Gips- und einem Schockraum führt zu einem massiven Platzproblem, zu Prozessproblemen und einer nachvollziehbaren Patientenunzufriedenheit. Das Vivantes-Konzept zur Entwicklung des Neuköllner Krankenhauses sieht vor, ein neues Gebäude auf dem bestehenden Parkplatz mit einer größeren Rettungsstelle, weiteren Einrichtungen mit Bedarf zur Kapazitätserweiterung sowie einem für ein Notfallzentrum notwendigen und lebensrettenden Hubschrauberlandeplatz zu errichten. Der Ausbau ist auch erforderlich aufgrund der Nähe des Klinikums zum Flughafen BER und des weiteren Bevölkerungswachstums.

Die aktuelle Planung geht davon aus, dass 2018 mit dem dreijährigen Bau begonnen werden soll. Der Gesundheitssenator räumt aber ein, dass die Investitionspauschale des Landes für Vivantes nicht ausreicht und Vivantes eigene Mittel zur Verfügung stellen muss. Vor diesem Hintergrund verstehe ich nicht, weshalb er in seinen Entwurf für den neuen Doppelhaushalt lediglich 109 Millionen Euro für 2016 und 111 Millionen Euro für 2017 vorsieht. Dass das Klinikum Neukölln und ihre Rettungsstelle aus allen Nähten platzt, ist schon länger bekannt. Ich habe die Senatoren für Finanzen und Gesundheit als Mitglieder des Vivantes-Aufsichtsrates aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Vivantes entsprechend eigene Mittel zur Verfügung stellt und mit der Erweiterung zeitnah begonnen wird.

Presse:

Berliner Kurier 07.09.2015

Berliner Morgenpost 04.09.2015