Kriminelle Jugendliche früh erkennen und Intensivtäter-Karriere verhindern!

Niemand wird als Intensivtäter geboren, kriminelle Karrieren starten oft im Dunkeln und wenn ein Jugendlicher zehn Straftaten auf seinem Konto hat, ist das Kind längst in den Brunnen gefallen. Der Neuköllner Polizeiabschnitt 55 hat mir bei meinem Besuch die „Täterorientierte Intervention (TOI)“ als neue Präventionsmethode vorgestellt – bisher ein Modellprojekt. TOI hilft mit einer engen Zusammenarbeit zwischen Polizei und Jugendamt Kinder und Jugendliche am Beginn einer kriminellen Karriere zu erkennen und zu verhindern, dass sie Intensivtäter werden. Ich fordere: Es muss in ganz Berlin eingeführt werden.

TOI richtet sich an 12- bis 16-Jährige, die auf dem Weg sind, Intensivtäter zu werden – also eine oder mehrere Straftaten begangen haben. Alle zwei Wochen sucht die Polizei in der Polizeidirektion 5 (Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg) in ihrem Computer nach kriminellen Jugendlichen. Ist ein Jugendlicher auffällig geworden, holt die Polizei Informationen über sie ein – von Polizeikollegen, Sozialarbeitern, Jugendamt. Danach werden sie zu einem freiwilligen Gespräch eingeladen. Das ist keine Vorladung und kein Verhör, sondern dient der Prävention. Den Kindern und Jugendlichen wird vor Augen gehalten, was die Folgen für ihr Handeln sein können.

Fast alle der eingeladenen Jugendlichen kommen zum Gespräch, meistens mit ihren Eltern. Das Modellprojekt hat bisher gezeigt, dass die Straftaten der Jugendlichen oft mit bis dahin nicht bekannt gewordenen Problemen in der Familie zusammenhängen – zum Beispiel Trennung der Eltern, Alkohol oder Drogen, Schulschwänzen, häusliche Gewalt. Diese Erkenntnisse helfen der Sozialarbeit und dem Jugendamt. Das Protokoll des Gesprächs geht ans Jugendamt, das entscheidet, ob zum Beispiel ein Anti-Aggressions-Training Sinn macht.

Der Erfolg gibt TOI recht: Zwei Drittel der Jugendlichen wird ein halbes Jahr nach dem Präventions-Gespräch nicht rückfällig, begehen keine weiteren Straftaten. Ein Jahr nach dem Gespräch immerhin noch jeder Zweite. Jeder Jugendliche, der nicht rückfällig wird, ist ein Erfolg. Auch wenn seit Jahren die Jugendkriminalität sinkt und es weniger Intensivtäter gibt: Es ist zu spät erst dann einzugreifen, wenn ein Jugendlicher offiziell als Intensivtäter gilt und das Intensivtäterkonzept greift. Polizei und Jugendämter müssen eng zusammenarbeiten, um kriminelle Jugendliche früh zu erkennen und eine Intensivtäter-Karriere zu verhindern. Wenn selbst das nicht klappt, dürfen wir keine falsche Geduld mit jugendlichen Straftätern haben, um sie auf den richtigen Weg zurückzuholen: Schnelles Jugendstrafverfahren, schneller Strafantritt, längere Arrestdauer, Intensivtäterkonzept. Die Strafe muss auf dem Fuße folgen, um pädagogisch wirken zu können.

Presse:
Bild 21.04.2015

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