Mehr Transparenz: Anmeldezahlen der Schulen veröffentlichen

Die SPD-Fraktion hat beschlossen, dass die Anmeldezahlen für die Grund- und Oberschulen aus den letzten Jahren und für die Zukunft veröffentlicht werden sollen. Es gibt Schulen, um die Eltern jahrelang aus vielfältigen Gründen bei der Anmeldung ihrer Kinder einen Bogen machen. Sie brauchen Hilfe auf ihrem Weg zu einer erfolgreichen Entwicklung, um wieder attraktiver zu werden. Erst wenn wir wissen, wie nachgefragt eine Schule ist, können wir bestehende Probleme angehen. Wegschauen hilft nicht.

Denn es muss im Interesse aller rund um die Schule Engagierter sein, Restschulen, die mit Zweit- und Drittwunsch-Schülern gefüllt werden, nicht beim langsam Sterben tatenlos zuzusehen. Schule hat viel mit dem Vertrauen der Eltern zu tun. Wir können nur erahnen, wie stark die Mundpropaganda zwischen ihnen ist. Wenige Anmeldungen auf freie Plätze und viele Wechselwünsche können ein Warnsignal sein, dass eine Schule an die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit gestoßen oder ihr Ruf schlecht ist, es Probleme im Lehrerkollegium gibt, sie am Stadtrand liegt mit ungünstiger Busanbindung oder sie zum Beispiel eine Integrierte Sekundarschule ohne gymnasiale Oberstufe ist, an der die Schüler kein Abitur machen können.

Wir erleben das seit vielen Jahren in Neukölln: Viele der inzwischen in unseren Bezirk gezogenen bildungsorientierten jungen Familien melden ihre Kinder nicht in einer Neuköllner Schule an. Sie stimmen mit den Füßen ab. Das hat seine Gründe und es ist an der Zeit, dieses Problem anzugehen. Der erste Schritt muss mehr Transparenz durch die Veröffentlichung der Anmeldezahlen – gern auch der Schulwechselwünsche und weiterer Indikatoren – sein. Im zweiten Schritt muss für jede Schule geschaut werden, wie ihr individuell zu einer positiven Entwicklung geholfen werden kann. Wir brauchen ein Set an Wiederbelebungsmaßnahmen. Die CDU hat unserem beschlossenen Antrag seit fünf Monaten nicht zugestimmt. Angst vor den Zahlen hat nur, wer Angst vor der Wahrheit hat. Uns bleibt die Transparenz wichtig, deswegen werden wir nicht locker lassen.

Presse:
Tagesspiegel 13.04.2015