Mein Stadtteiltag: Besuch des Quartiermanagements Weiße Siedlung

Die Weiße Siedlung in der Köllnischen Heide ist einer der härtesten Brennpunktkieze Berlins: hohe Kinderarmut, viele Hartz IV-Empfänger, hohe Arbeitslosigkeit. Am Abend war ich mit dem Neuköllner Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) und dem Neuköllner SPD-Vorsitzenden Fritz Felgentreu zu Gast im Quartiersmanagement (QM). Es war ein offenes Gespräch, das die Probleme im Kiez nicht schönredete. QMs sind wichtig – aber die Wurzel des Übels (Sprachmängel, Vernachlässigung der Kinder durch Eltern, Schulschwänzen, Schulabbruch und den Teufelskreis von Hartz IV) durchbricht es nicht.

Die Arbeit der Mitarbeiterinnen des QMs liegt deshalb darin, die Akteure im Kiez zu vernetzen, den Leuten mit Sozial- und Erziehungsberatungen zur Seite zu stehen, die Eltern mit niedrigschwelligen Angeboten an die Hand zu nehmen, Gewaltprävention und Berufsorientierung für Jugendliche zu unterstützen und die Mühle schnell mahlen zu lassen. Auf dem Kiezrundgang wurde die starke Kooperation zwischen QM, dem Nachbarschaftstreff „Sonnenblick“, der Kita „Debora“ mit angeschlossenem Familienzentrum, der Sonnen-Grundschule und dem Jugendtreff deutlich.

Ein QM hilft, den Abwärtstrend eines Quartiers zu bremsen. Deshalb ist es unverantwortlich, dass die CDU/FDP-Bundesregierung das Programm „Soziale Stadt“, aus dem die Berliner QMs bezahlt werden, radikal gekürzt hat. Das Land Berlin hat die weggebrochenen Mittel aus eigener Tasche ausgeglichen. Die SPD wird nach dem Regierungswechsel bei der Bundestagswahl am 22. September das Geld für die „Soziale Stadt“ wieder auf das alte Niveau setzen.

Aber die Projektmaßnahmen sind nur Flickschusterei. Meiner Meinung nach muss ein Systemwechsel her, um die Kinder und Jugendlichen aus dem Hartz IV-Teufelskreis zu holen: weg von der individuellen und hin zur institutionellen Förderung. Heißt: Kindergeld kürzen und die vielen Milliarden Euro jedes Jahr zweckgebunden in den Ausbau der Bildung stecken: Kita-Pflicht, Ausbau der Ganztags-Kitas mit verbesserter Sprachförderung, mehr Erzieher mit besserer Bezahlung, alle Schulen zu verpflichtenden Ganztagsschulen machen mit ausreichend Sozialarbeitern, Lernmittelbefreiung für alle, kostenloser Heilfürsorge, starken Unterstützung von Brennpunktschulen, konsequenten Durchsetzung der Schulpflicht, die Eltern stark in die Bildungsarbeit einbeziehen u.v.m. Das Geld ist da, um die Kinder und Jugendlichen auf ein selbstbestimmtes und von Sozialleistungen unabhängiges Leben vorzubereiten – es muss nur endlich anders eingesetzt werden!