Prävention gegen islamistische Radikalisierung

Mein SPD-Kollege Tom Schreiber und ich fordern ebenso wie Expertinnen und Experten seit Monaten ein ressortübergreifendes Berliner Programm für Prävention und Deradikalisierung im Bereich des islamistischen Extremismus. Wir müssen unsere Jugendlichen davor schützen, radikalisiert zu werden. Die gute Nachricht: Endlich kommt es. Die schlechte Nachricht: Noch ist unklar, wie das Programm genau aussehen wird. 

Uns sind folgende Punkte wichtig:

  • Wir dürfen uns nicht auf die Deradikalisierung von aus dem Ausland zurückkehrenden Gotteskriegern bzw. IS-Kämpferinnen und -Kämpfern beschränken. Es ist zu spät erst dann einzugreifen, wenn die Radikalisierung längst eingesetzt hat
  • Wir brauchen eine Beratungsstelle, an die sich u.a. Lehrerinnen und Lehrer, Jugendsozialarbeiterinnen und -arbeiter, Familienzentren, Jugendzentren und Stadtteilmütter wenden können
  • Lehrkräfte, Jugendsozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie Jugend- und Familienzentren müssen besser auf den Umgang mit radikalisierten Argumenten und Gedankengut vorbereitet werden, z.B. durch entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebote am LISUM
  • Das Programm sollte örtliche bzw. bezirkliche Präventions-Netzwerke im Bereich von Schulen, Jugendämtern, Jugendrichterinnen und -richtern, der Staatsanwaltschaft sicherstellen und eine enge Kooperation mit den Religionsgemeinschaften und nachweislich nicht salafistisch geprägten Moscheevereinen berücksichtigen
  • Notwendig ist eine Differenzierung in der Mädchen- und Jungenpräventionsarbeit
  • Die zuständigen Senatsverwaltungen für Inneres, Integration, Bildung/Jugend/Familie und Gesundheit/Soziales müssen entsprechendes Geld zur Verfügung stellen

Denn Jugendliche, die für eine Fundamentalisierung und Radikalisierung empfänglich sind, haben meist wenig Ahnung von Religion. Ihr Bekenntnis ein stolzer Muslim zu sein, zeigt aber, dass sie nach Identität, Anerkennung und Orientierung suchen. Oft sind familiäre Probleme der Grund für eine Radikalisierung. Die Familien sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung. Die Jugendlichen suchen nach einfachen Antworten – und finden sie zum Beispiel in der Neuköllner Al-Nur-Moschee: In der Salafisten-Hochburg hatten wiederholt radikale Hass-Prediger Gast-Auftritte und riefen zum Mord an Juden und zur Vergewaltigung von Frauen auf. Die radikalen Prediger geben orientierungslosen Jugendlichen religiöse Antworten auf ihre Fragen und das Gefühl, besser als andere Muslime zu sein. Der politische Salafismus ist Teil der Popkultur geworden, mit Rap-Videos oder Comics werden Jugendliche direkt angesprochen.