Präventionsprogramm gegen islamistische Radikalisierung

Unsere Jugendlichen müssen vor dem Abrutschen in den islamistischen Extremismus geschützt werden, es ist zu spät erst dann zu handeln, wenn ihre Radikalisierung längst eingesetzt hat. Wir brauchen ein Landesprogramm zur Prävention gegen islamistische Radikalisierung und eine Beratungsstelle vor allem für Schulen, Jugendclubs, Sozialarbeiter, Familienbetreuer und Gefängnisse, die mit den Jugendlichen arbeiten. Der Bedarf ist laut Auskunft von Experten wie Hayat, ufuq und VPN riesig.

Der Innensenator hat zwar am 1. April ein Aussteiger-Programm für radikalisierte, gewaltbereite junge Salafisten mit 100.000 Euro pro Jahr gestartet. Mit dessen Hilfe soll verhindert werden, dass sie Gewalt ausüben. Außerdem sollen Dschihadisten, die zum Beispiel in Syrien für den Islamischen Staat gekämpft haben und nach Berlin zurückkehren, deradikalisiert werden. Dieses Exit-Programm allein reicht nicht, es zäumt das Pferd von hinten auf. Außerdem sind 100.000 Euro zu wenig. Die Experten in einer Anhörung im Verfassungsschutz-Ausschuss haben bestätigt: Wir brauchen dringend und schnell ein ressortübergreifendes Landespräventionsprogramm, an dem sich die Senatsverwaltungen für Inneres, Bildung/Jugend und Gesundheit/Soziales beteiligen müssen. CDU-Innensenator Henkel darf sich bei der Prävention nicht weiter herausreden, für ein Zuständigkeits-Pingpong haben wir keine Zeit.

Jugendliche, die für eine Fundamentalisierung und Radikalisierung empfänglich sind, haben meist wenig Ahnung von Religion. Ihr Bekenntnis ein stolzer Muslim zu sein, zeigt aber, dass sie nach Identität, Anerkennung und Orientierung suchen. Oft sind familiäre Probleme der Grund für eine Radikalisierung. Die Familien sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung. Die Jugendlichen suchen nach einfachen Antworten – und finden sie zum Beispiel in der Neuköllner Al-Nur-Moschee: In der Salafisten-Hochburg hatten wiederholt radikale Hass-Prediger Gast-Auftritte und riefen zum Mord an Juden und zur Vergewaltigung von Frauen auf. Die radikalen Prediger geben orientierungslosen Jugendlichen religiöse Antworten auf ihre Fragen und das Gefühl, besser als andere Muslime zu sein. Der politische Salafismus ist Teil der Popkultur geworden, mit Rap-Videos oder Comics werden Jugendliche direkt angesprochen.

Berliner Morgenpost – Neue Terrordrohung des Ex-Rappers Deso Dogg per Video
Berliner Morgenpost 15.04.2015
Berliner Morgenpost – Koalition will Schulleitermangel in Berlin beseitigen
Berliner Morgenpost 10.04.2015