Quereinsteiger: Stärkere Unterstützung, keine Ballung in Brennpunkten

Wir sind zurzeit auch in Berlin wegen des Lehrermangels auf Quereinsteiger angewiesen, die im Rahmen einer berufsbegleitenden Ausbildung weiter für das Lehramt qualifiziert werden. Allerdings ist der Lehrermangel inzwischen so groß, dass fast die Hälfte der Neueinstellungen an Berliner Grundschulen durch Quereinsteiger abgedeckt wird. Die Antwort auf meine Schriftliche Anfrage zeigt nun, dass die Quereinsteiger ungleichmäßig verteilt sind und sich vor allem in sozialen Brennpunkten ballen. Das darf nicht sein.

Die Mehrheit der knapp 700 Berliner Schulen hat keine Quereinsteiger im Kollegium. Anders ist das zum Beispiel in Neukölln. Hier sind an nur vier der 34 Grund- und einer der 13 Sekundarschulen keine Quereinsteiger beschäftigt. Elf der Neuköllner Grund- und vier der Neuköllner Sekundarschulen haben sogar einen Quereinsteigenden-Anteil von mindestens 10 Prozent und mit der Eduard-Mörike-Grundschule liegt auch der berlinweite Spitzenreiter (29 Prozent) im Bezirk. In Neukölln haben die Grundschulen eine durchschnittliche Quereinsteigendenquote von 7,7 Prozent, die Sekundarschulen von 6,4 Prozent. Auch in anderen Bezirken ballen sich die Quereinsteigenden vor allem in Brennpunkten. Die Carl-Bolle-Grundschule (Moabit), die Carl-Schurz-Grundschule (Spandau) oder die Wilhelm-Hauff-Grundschule (Wedding) haben alle mindestens 20 Prozent Quereinsteigende im Kollegium.

Quereinsteiger bringen viel mit: fachliche Qualifikation, Engagement und Erfahrung. Dennoch müssen sie Unterrichtsvorbereitung, -durchführung und vor allem Didaktik erlernen, damit keine Überforderung entsteht und die Qualität des Unterrichts nicht leidet. Deshalb haben wir ein Maßnahmenpaket mit 26 Millionen Euro erarbeitet, um Quereinsteiger besser zu unterstützen, unter anderem:

  • Absenkung der Stundenverantwortung der Quereinsteiger von 19 auf 17 Wochenstunden. Die so frei gewordenen Stunden müssen für Hospitationen genutzt werden.
  • Verpflichtende Teilnahme der Quereinsteiger an einem Kompaktkurs vor Beginn des Einsatzes, der Grundlagen der Fachdidaktik in den Fächern Mathematik und Deutsch (Grundschule), des Schulrechts und pädagogisch-psychologisches Wissen vermittelt, um den Einstieg zu vereinfachen.
  • Schulen mit besonders vielen Quereinsteigern erhalten Ausbildungsnavigatoren, die mit zusätzlichen Betreuungs-Poolstunden gezielt Quereinsteigende anleiten und begleiten.
  • Quereinsteiger unterrichten über die ersten zwei Monate hinweg für mindestens ein Drittel ihrer Stunden gemeinsam mit anleitenden Lehrkräften, Mentoren und/oder Coaches, um einen fließenden Einstieg und stückweise Verantwortungsübernahme zu ermöglichen.
  • Durch z.B. Lehrercastings soll künftig unangemessene Konzentrationen von Quereinsteigenden an einer Schule vermieden werden.