Schneller Jugendarrestvollzug – keine falsche Geduld mit Jugendstraftätern

Mehr Plätze, schnellerer Strafantritt und längere Arrestdauer – das ist die Devise. Dafür ist die Jugendarrestanstalt in Lichtenrade zum 1. April in die bisherige Untersuchungshaftanstalt Kieferngrund umgezogen, die Anzahl der Plätze haben sich auf 60 fast verdoppelt. Das ist dringend nötig, denn im letzten Jahr wurden 1224 Jugendliche in Arrest genommen, von denen 224 zunächst wegen Überbelegung abgewiesen werden mussten – so die Antwort des Senats auf meine Kleine Anfrage. Inzwischen liegen zwischen Verurteilung und Arrestantritt nur noch drei Wochen.

Die Justiz ist damit dem Ziel, jugendliche Straftäter möglichst schnell einem Richter vorzuführen und möglichst noch unter dem Eindruck der Tat die Strafe verbüßen zu lassen, näher gekommen. Die Strafe muss auf dem Fuße folgen, um pädagogische Wirkung entfalten zu können. Genau das ist der Kern des Neuköllner Modells der verstorbenen Jugendrichterin Heisig, das im Jugendstrafverfahren in Berlin inzwischen vermehrt und flächendeckend Anwendung findet.

Darüber hinaus ist es wünschenswert, dass die Richter längeren Arrest (maximal aber nach wie vor einen Monat) verhängen, der mit einem pädagogischen Konzept verbunden wird. Die Jugendlichen erhalten u.a. Kompetenztrainings zu Themen wie Drogen und Gewalt, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Schuldenprävention und Berufsberatung. Bis das fruchtet, braucht es allerdings mehr als einen Freizeitarrest über ein Wochenende. Der Vorteil: im Unterschied zur Haftstrafe gelten Jugendliche mit einer Arreststrafe nicht als vorbestraft, sie taucht also nicht im Führungszeugnis auf.