Schriftliche Anfrage: Ergebnisse des Sprachtests von Nicht-Kita-Kindern

In Berlin besteht für Kinder, die keine Kita besuchen, die Pflicht an einem Sprachtest bei festgestellten Sprachmängeln an einer Sprachförderung in einer Kita teilzunehmen. Die Anzahl der Nicht-Kita-Kinder mit Sprachmängeln ist in den letzten Jahren gestiegen. Deshalb haben wir im letzten Jahr den verpflichtenden Sprachtest um ein halbes Jahr auf das 4. Lebensjahr vorgezogen und die verpflichtende Sprachförderung im letzten Jahr von 3 auf 5 Stunden täglich und eineinhalb Jahre ausgeweitet.

Die Anzahl der Nicht-Kita-Kinder mit Sprachförderbedarf hat sich 2014 auf 57 Prozent erhöht, 2 Prozent mehr als 2013. In Neukölln ist die Zahl der Kinder mit Sprachmängeln von 67 auf 77 Prozent gestiegen. Das ist alarmierend hoch. Zum Vergleich: In Pankow haben nur 26 Prozent der Nicht-Kita-Kinder Förderbedarf. Bei 1.958 verschickten Einladungen zum Sprachtest konnten – trotz Teilnahmepflicht – nur 531 getestet werden. Auch wenn zwischenzeitlich 830 Kinder nach der Einladung zum Sprachtest ihren Weg in die Kita gefunden haben, kommen nicht alle Eltern ihrer Pflicht nach, ihre Kinder zum Sprachtest oder zur Sprachförderung zu schicken. Deshalb haben wir ein Bußgeld eingeführt, um den Eltern klarzumachen: Wir akzeptieren es nicht, wenn Ihr Eure Kinder nicht zum Sprachtest oder zur Sprachförderung in eine Kita schickt und die Zukunft Eurer Kinder aufs Spiel setzt.

Denn es gibt Kieze, in denen jedes zweite Kind mit zum Teil erheblichen Sprachmängeln in die Schule kommt, weil sie keine Kita besucht haben und vor die Glotze gesetzt wurden, statt mit ihnen zu spielen oder ihnen vorzulesen. Sie lernen schwerer Lesen und Schreiben und drohen schon früh in der Schule zu scheitern. Was im frühkindlichen Alter versäumt wird, kann die Schule nur schwer geradebiegen. Jeder Tag ohne Sprachförderung ist ein Tag zu viel. Und die Kita ist der beste Ort für die Sprachförderung: Je länger ein Kind die Kita besucht, desto besser ist das für seine sprachliche, motorische und soziale Entwicklung. Wir wollen, dass so viele Kinder wie möglich so lang wie möglich die Kita besuchen, dafür brauchen wir auch mehr wohnortnahe Kita-Plätze in sozialen Brennpunkten wie der High-Deck-Siedlung. Daran arbeiten wir.

Presse:
Berliner Morgenpost 11.02.2015