Schriftliche Anfrage: Weniger jugendliche Straftäter, aber mehr Jugend-Gruppengewalt

Die gute Nachricht: Die Jugend-Kriminalität in Berlin ist von 10.131 jugendlichen Tatverdächtigen im Jahr 2012 auf 9.858 im Jahr 2013 weiter gesunken. Das Konzept „Erziehung vor Strafe“ und die schnelle und vereinfachte Fall-Bearbeitung des „Neuköllner Modells“ zeigen hier ihre Wirkung. Die schlechte Nachricht: Die Jugend-Gruppengewalt (also eine gemeinsame Straftat von zwei oder mehr Tätern) ist gestiegen. Führte die Polizeiliche Kriminal-Statistik 2011 nur 1.050 jugendliche Täter, waren es 1.392 im Jahr 2013. Ein Anstieg von 33 %. Das ergab die Antwort des Senats auf meine Schriftliche Anfrage.

Die Polizei erklärt den Anstieg der Jugend-Gruppengewalt mit der höheren Sensibilität der zuständigen Sachbearbeiter. Sie achten heute stärker darauf, ob es sich bei den Straftaten um Jugend-Gruppengewalt handelt oder nicht. Das bedeutet: Es gibt nicht unbedingt einen Anstieg an Delikten, auch wenn die Statistik auf den ersten Blick so aussieht. Überprüfbar ist die Begründung aber nicht. Ins Auge sticht der starke Anstieg von Mädchen, die in einer Gruppe gemeinsam Straftaten begangen haben: 2012 waren es noch 135, im Jahr 2013 schon 248. Den krassen Anstieg um 84 % hat der Senat nicht erklärt. Weil die Polizei das Geschlecht der Opfer (männlich oder weiblich) nicht erfasst, lässt sich die Vermutung nicht offiziell bestätigen, dass immer mehr Mädels in Gruppen auf andere Mädels einprügeln.

Auch andere wichtige Infos werden von der Polizei nicht erhoben. Weder gibt es Angaben zu den Bezirken, in denen die Straftaten verübt wurden, noch zu den Wohnorten der Täter. Auch liegen keine Infos vor, wie viele der Straftäter nach dem Absitzen ihrer Haftstrafe oder dem Durchlaufen einer Maßnahme wieder eine Straftat begingen. Ich werde schauen, ob das geändert werden kann.