Wer für bezahlbare Wohnungen ist, kann nicht gegen Wohnungsbau sein!

tempelhof_web_580x339

Berlin wächst. Alleine im letzten Jahr sind 50.000 Neu-Berliner in unsere Stadt gezogen. Bis 2030 werden 250.000 erwartet. Dafür müsste eigentlich ein 13. Bezirk gegründet werden. Die Neu-Berliner müssen natürlich irgendwo unterkommen. Wohnungen sind aber heute schon knapp. Ein Grund, weshalb in den letzten Jahren die Mieten gestiegen sind. Nicht nur, aber vor allem innerhalb des S-Bahn-Rings. Das führt auch dazu, dass alteingesessene Berliner aus ihrem Kiez verdrängt werden, wenn sie sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten können. Wir wollen aber keine Satellitenstädte wie in Paris, sondern wir wollen die Berliner Mischung erhalten. Dafür brauchen wird dringend mehr Wohnungen, auch in der Innenstadt – die bezahlbar sind.

Randbebauung Tempelhofer Feld

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Die Zeiten, in denen abertausende Wohnungen leer standen, sind vorbei. Das heißt aber, dass wir weg kommen müssen von unserer Denke „Ja, neue Wohnungen brauchen wir. Aber bitte nicht vor meiner eigenen Haustür“. Die Zahl der freien Flächen in der Innenstadt, die mit neuen Wohnungen bebaut werden können, hält sich allerdings in Grenzen. Der RAND des Tempelhofer Felds bietet aber Platz für den maßvollen Neubau von Wohnungen.

Beim Volksbegehren „100% Tempelhofer Feld“ wurde viel Unsinn in die Welt gepustet: Dass das riesengroße freie Feld komplett mit Häusern zubetoniert werden und Luxuswohnungen für Bonzen und Politiker entstehen sollen, waren meine Highlights. Was für ein Schwachsinn. Am 25. Mai haben alle Berlinerinnen und Berliner beim Volksentscheid die Möglichkeit, über die Zukunft des Tempelhofer Felds abzustimmen. Meiner Meinung nach kann die Devise nur heißen: Wer für bezahlbare Wohnungen ist, kann nicht gegen maßvolle RAND-Bebauung auf dem Tempelhofer Feld sein.

Die Initiative „100% Tempelhofer Feld“ will, dass das Feld bleibt, wie es ist. Es dürfen also keine neuen Parkbänke aufgestellt, Bäume gepflanzt, Sport- und Spielflächen angelegt, der muslimische Friedhof erweitert, geschweige denn dringend gebrauchte Wohnungen, Kitas und Schulen am RAND des Feldes gebaut werden. 100% Tempelhofer Feld heißt 100% Stillstand. Das ist nicht das, was die SPD will. Und das ist nicht das, was die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner will (sonst hätten sich ja mehr von ihnen am Volksbegehren beteiligt).

Wir wollen das Feld für die Zukunft und für die nachfolgenden Generationen entwickeln: 230 Hektar (größer als der Tiergarten in Mitte) sollen Grünfläche bleiben. Das wollen wir durch ein Gesetz festlegen. In der Parklandschaft sollen neue Freizeitangebote entstehen, die Natur und Umwelt respektieren. Neue Rad- und Fußwege verbessern als Nord-Süd-Verbindung die Anbindung in die umliegenden Kieze. Bäume werden gepflanzt, Bänke aufgestellt und Ruhezonen geschaffen.

Vor allem aber: Es sollen nur am RAND (siehe Grafik) 4700 neue, dringend gebrauchte Wohnungen gebaut werden, um den Wohnungsmangel zu entspannen. Außerdem soll es ebenfalls dringend benötigtes studentisches Wohnen geben, auf der Neuköllner Seite Kitas (wir haben einen Kita-Platz-Mangel in der Umgebung) und eine neue Schule (wir brauchen dringend mehr Schulplätze in Nord-Neukölln) gebaut und Sportflächen angelegt werden. Die Hälfte der neuen Wohnungen werden mit 6 bis 8 Euro pro Quadratmeter bezahlbar sein.

Wie das funktioniert? Zwei landeseigene Wohnungsbau-Unternehmen und eine Genossenschaft wollen allein 1700 neue Wohnungen bauen, die Hälfte davon für kleine und mittlere Einkommen. Außerdem legt Berlin einen Nebau-Fonds auf: Wer sich für die Bau-Förderung bewirbt, verpflichtet sich, eine bestimmte Zahl bezahlbarer Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Eine Einflussmöglichkeit auf die Mietpreisgestaltung ist also gegeben.
Randbebauung Tempelhofer Feld